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03.02.2012
Breiter, jünger und globaler
Auf der 48. Sicherheitskonferenz geht es nicht nur um Kriege und Konflikte. Potentielle Auslöser globaler Krisen rücken zunehmend in den Vordergrund.
Der Auftakt der Münchner Sicherheitskonferenz steht unmittelbar bevor. Und bei manchem Besucher aus dem Vorjahr mag sich ein Déjà-vu-Gefühl einstellen. Wieder gehen die Menschen in Ägypten auf die Straße – und sterben. Wieder ist es Iran, dessen Atomprogramm in der westlichen Welt für Unruhe sorgt. Und nach wie vor zeigen sich auf der Stirn manches Konferenzteilnehmers Sorgenfalten, wenn er vom drohenden Kollaps der Finanzmärkte mit all seinen denkbaren Folgen für die Staaten spricht; nicht anders beim Afghanistaneinsatz, mit seinem ungewissen Ende und den zahlreichen Entwicklungen, die erst auf dem zweiten Blick ihr ganzes Eskalationspotential offenbaren: Cybersecurity, Klimawandel, Rohstoffknappheit und Bevölkerungswachstum.
Nach dem Willen von Wolfgang Ischinger, dem Leiter der 48. Münchner Sicherheitskonferenz 2012, soll sich das Déjà-vu-Gefühl für die Teilnehmer jedoch spätestens beim Betreten des Konferenzsaals im Tagungshotel Bayerischer Hof verlieren. Im Gegensatz zum vergangenen Jahr, wo der Arabische Frühling die Konferenz so unvermittelt wie den Rest der Welt traf, werden in diesem Jahr zahlreiche Vertreter aus der arabischen Welt direkt vor Ort sein, und an den Diskussionen über den Krisenbogen vom Maghreb über den Nahen Osten bis nach Pakistan teilnehmen.
Und überhaupt - im vierten Jahr unter seiner Leitung setzt Ischinger unter dem Motto „Friedenssicherung in einem Jahr großer geopolitischer Veränderungen und Unsicherheiten“, stärker denn je darauf, den Teilnehmerkreis zu verbreitern. Aus einem Plenum überwiegend grauhaariger und westlicher Sicherheitspolitiker soll ein globales Diskussionsforum werden, in dem gerade auch die aufstrebenden Staaten wie Russland, Indien, China und auch Brasilien eine stärkere Rolle spielen. Und nicht nur sie. Unter den Teilnehmern aus über 70 Staaten finden sich immer mehr Wirtschaftsführer und Vertreter internationaler Organisationen zwischen Militärs und Sicherheitspolitikern.
Thematisch setzt Ischinger auf der 48. Münchner Sicherheitskonferenz den von ihm eingeschlagenen Weg beharrlich fort, die sicherheitspolitische Debatte mit nicht-militärischen Faktoren zu verbreitern. Eine Stoßrichtung, die spätestens mit den Auswirkungen der Wirtschafts- und Finanzkrise auf immer größeres Echo auch unter vielen traditionellen Teilnehmern der Sicherheitskonferenz stößt.
Die Konferenz beginnt mit einem Thema, das scharfe Kontroversen verspricht. Im Anschluss an die Auftaktrede von Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière diskutieren die Teilnehmer über Deutschlands Rolle in Europa und der Welt.

