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06.02.2010
Videobotschaft des UN-Generalsekretärs an die Teilnehmer der Münchner Sicherheitskonferenz

Per Videobotschaft erreichte UN-Generalsekretär die Teilnehmer der 46. Münchner Sicherheitskonferenz. Foto: Kai Mörk
Guten Tag, meine Damen und Herren!
Ich begrüße Sie sehr herzlich und bedaure, dass ich nicht persönlich bei Ihnen sein kann.
Die Katastrophe in Haiti fordert unsere gesamte Aufmerksamkeit. Die Tragödie ist umso schlimmer, da sie Haiti zu einem Zeitpunkt getroffen hat, als das Land bereits Fortschritte machte. Bei meinem Besuch habe ich viele einfache Haitianer kennengelernt. Sie wussten ganz genau, was sie brauchen: Lebensmittel, Wasser, Medikamente und Zelte. Aber vor allem, so sagten sie mir, bräuchten sie Arbeit.
Die Initiative Cash for Work ("Geld für Arbeit", ein Beschäftigungsprogramm aus Spendengeldern), die im Rahmen des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen eingeleitet wurde, soll in den nächsten sechs Monaten 200.000 Menschen wieder in Lohn und Brot bringen. Wir können dies mit der überschaubaren Summe von $ 40 Mio. bewerkstelligen; dies entspricht $5 pro Person und Tag. All die jungen Männer und Frauen, die in wachsender Verzweiflung leben, können so daran arbeiten, ihre Existenz wieder aufzubauen. Der erste Schritt für Haitis Wiederaufbau besteht darin, allen Menschen wieder Arbeit zu verschaffen.
Das ist nicht nur eine humanitäre Frage. Es hat auch mit internationaler Sicherheit zu tun - unter anderem deshalb sind Sie ja heute in München. Die bekannten Bedrohungen wie Terrorismus, Verbreitung von Kernwaffen und Krieg stellen noch immer ein Problem für uns alle dar und fordern ihren schrecklichen Tribut in Form von Menschenleben und Ressourcen.
Wir sind aber außerdem von einer starken Häufung der Bedrohungen des 21. Jahrhunderts betroffen. Derzeit gibt es erstmals eine Milliarde hungernder Menschen auf der Welt. In den letzten Jahren konnten wir in tausenden von Ländern Aufstände im Kampf um Nahrungsmittel beobachten. Wenn der aktuelle Trend anhält, wird uns der Klimawandel extremere Wetterlagen und häufigere Naturkatastrophen bescheren, Ackerland wird zur Wüste werden und Bevölkerungsgruppen werden an den Rand des Abgrunds gedrängt. Pandemien fordern nicht nur Menschenleben, sie führen auch dazu, dass Familie und Gesellschaft anfälliger, leistungsschwächer und weniger belastbar werden. Chronische Armut, die schlimmste Wirtschaftskrise seit langem - auch dies sind drängende Probleme. Sie schlagen vielleicht nicht mit der Kraft eines Erdbebens zu, spalten aber doch die Gesellschaft. Da sie auch vor Landesgrenzen nicht Halt machen, sind globale Maßnahmen erforderlich.
Aus diesem Grund verfolge ich das Ziel, dass 2010 das Jahr wird, in dem wir eine weltweite Kampagne für die Millennium Development Goals starten. Aus diesem Grund habe ich ein Gipfeltreffen im September in New York gefordert. Die Vereinten Nationen stellen sich in den Dienst der Nationen und Menschen, die der Hilfe bedürfen - dies umfasst die Entwicklung bis hin zur Friedenssicherung, vorbeugende Maßnahmen bis hin zur Friedenskonsolidierung sowie Fragen der Menschenrechte bis hin zur Rechtsstaatlichkeit. Wir sind bereit, uns allen heutigen und zukünftigen Bedrohungen zu stellen. Ganz im Sinne des Mottos Ihrer Konferenz: "Es darf keine Ausreden mehr geben".
Dankeschön. Hoffentlich sehen wir uns nächstes Jahr in München!
Ban Ki-moon ist seit 2007 Generalsekretär der Vereinten Nationen. Er hatte eigentlich geplant, an der Münchner Sicherheitskonferenz 2010 teilzunehmen, musste wegen des Erdbebens in Haiti aber absagen. Mit dieser Videobotschaft, die in der MSC-Mediathek verfügbar ist, wandte er sich am Samstag, den 6. Februar 2010, an die Teilnehmer der Konferenz.
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