Cyber Security Summit 2012

MSC und Telekom starten mit ersten Cybersicherheitsgipfel neue IT-Sicherheitsoffensive

Mehr als 70 hochrangige Vertreter aus Wirtschaft und Politik nahmen am ersten „Cyber Security Summit“ der Deutschen Telekom AG und Münchner Sicherheitskonferenz teil. Bild: Telekom

Von Oliver Rolofs

 

Auf dem neuen, gemeinsam von der Münchner Sicherheitskonferenz und der Deutschen Telekom initiierten Cyber Security Summit in Bonn wurde ein konzertiertes Handeln von Wirtschaft, Politik und Gesellschaft sowie ein vertiefter Informationsaustausch für mehr Cybersicherheit gefordert. Dabei sollen Unternehmen auch das Schweigen über Angriffe aus dem Netz aus Sorge vor drohenden Imageverlusten durchbrechen und mit einer Kultur der Offenheit zu mehr Cybersicherheit beitragen.

 

Welche Brisanz mittlerweile Cyberangriffe auf Unternehmen und Privatpersonen haben, bezifferte Anfang des Jahres die für Internetsicherheit zuständige EU-Kommissarin Neeli Kroes: Die Höhe der jährlich durch Cyber-Kriminalität verursachten Schäden würden sich auf rund eine Billion US-Dollar weltweit belaufen. Die Bedrohung sei damit größer als die durch den Drogenhandel. Weltweit nimmt die Zahl von Cyberangriffen drastisch zu und bedroht damit nicht nur die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit von einzelnen Unternehmen, sondern von Wirtschaftsstandorten insgesamt. Das belegte erst die jüngste Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Der Umfrage zufolge wären 25 Prozent der deutschen Firmen bei einem Totalausfall der Informations- und Kommunikationstechnik in zwei bis drei Tagen zahlungsunfähig.  „Diese Entwicklung hin zu einem „Digitalen Wilden Westen“ führt zu einer neuartigen Bedrohungslage“, warnt der Vorsitzende der Münchner Sicherheitskonferenz, Botschafter Wolfgang Ischinger. Gemeinsam mit Telekom-Chef René Obermann hatte er am 12. September mehr als 70 hochrangige Vertreter aus Wirtschaft und Politik zum ersten „Cyber Security Summit“ nach Bonn geladen.

 

Mit diesem zusätzlichen Tagungsformat setzt die Münchner Sicherheitskonferenz verstärkt auf wertvolle Synergieeffekte zwischen Wirtschaft und Sicherheitspolitik im Bereich der Cybersicherheit. Das Gipfeltreffen hat dabei das Gespräch über Gefährdungslage und Strukturen der Zusammenarbeit in den Wirtschaftsbranchen in Gang gesetzt und die verschiedene Aspekte der Bedrohungen aus dem Cyberraum beleuchtet, die auch auf der diesjährigen Münchner Sicherheitskonferenz thematisiert worden sind. Mit diesen Fragen beschäftigten sich in Bonn die Spitzenvertreter der deutschen Wirtschaft, darunter die Aufsichtsratsvorsitzenden Paul Achleitner von der Deutschen Bank und Klaus-Peter Müller von der Commerzbank, der Aufsichtsratschef von Daimler, Manfred Bischoff, Bahn-Chef Rüdiger Grube, EON-Vorstandschef Johannes Teyssen sowie  T-Systems Chef Reinhard Clemens.Ischinger forderte in seiner Eröffnungsrede, dass sich beim Thema Cybersicherheit das Bewusstsein in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft ändern müsse. „Wir müssen Cybersicherheit sehr ernst nehmen und mehr Problembewusstsein schaffen, um mehr über das Problem zu lernen“, sagte Ischinger.

 

Obermann hob in seiner Rede hervor, dass praktisch alle Bereiche des öffentlichen und privaten Lebens heute von funktionierenden Telekommunikations- und IT-Strukturen abhängig seien. Er unterstrich: „Infrastrukturen sind überlebenswichtig für das Funktionieren und den Wohlstand fast aller Volkswirtschaften und Gesellschaften, für die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung und der nationalen Sicherheit“. Der Telekom-Chef forderte einen verstärkten Einsatz, um das Sicherheitsniveau im Internet substanziell zu erhöhen. Dazu benötige Deutschland ein Cyber-Sicherheitsbündnis, in der Aktivitäten zwischen Politik und Wirtschaft besser koordiniert und abgestimmt werden und sich Unternehmen vernetzen sowie austauschen können.Eine bessere Zusammenarbeit und ein vertiefter Austausch zwischen den einzelnen Wirtschaftsbranchen und den Regierungsressorts im Rahmen eines „Public Private Partnership“ forderte der ehemalige Cybersicherheitskoordinator von US-Präsident Obama, Howard Schmidt, der vor den Teilnehmern des IT-Sicherheitsgipfels die US-Perspektive zur Cybersicherheit skizzierte. „Unternehmen teilen oft noch zu wenig Informationen untereinander sowie mit anderen relevanten Stakeholdern“, bemängelte Schmidt. Dies läge oft auch daran, dass von Cyberangriffen betroffene Unternehmen neben dem entstandenen Schaden auch Angst vor einem Reputationsverlust hätten. „Damit beraubt man uns jedoch um die Möglichkeiten, effektiv gegen Cyberbedrohungen vorzugehen.“ Cybersicherheit müsse daher auf jeder Unternehmensagenda ganz oben stehen, forderte Schmidt. Das setze allerdings die Bereitschaft der Unternehmen voraus, umfassende Investitionen für Cybersicherheit vorzunehmen.

 

Einhellige Meinung des Gipfels war schließlich, dass kein Staat, kein Unternehmen, kein Bürger eine effektive Abwehr alleine bewerkstelligen könne. Sicherheit im Cyberraum ließe sich weder als Aufgabe einiger weniger IT-Fachleute noch als technische Herausforderung einzelner Unternehmen erreichen. Der Kampf gegen Kriminalität, Wirtschaftsspionage und Sabotage aus dem Netz könne man nur mit übergreifenden Kooperationen und einem umfassenden Informationsaustausch gewinnen.„Wir brauchen eine Kultur der Offenheit und des Austauschs“, sagte Telekom-Chef René Obermann mit Blick auf die Vorbehalte der Wirtschaft, offen mit Cybervorfällen umzugehen. In der Schlusserklärung des Cyber Security Summit sprachen sich die Teilnehmer unter anderem neben einem effektiven Zeit- und Notfallmanagement bei Cyberangriffen, einer stärkeren Sensibilisierung von Mitarbeitern sowie der Gewährleistung sicherer Lieferketten von IT-Produkten für einen stetigen Austausch sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene aus. „Wir versuchen unseren Beitrag zu leisten, dass auf europäischer und internationaler Ebene ein Anfang für eine effektive Zusammenarbeit gemacht wird“, sagte Ischinger zum Abschluss des Bonner IT-Sicherheitsgipfels. „Wenn es neben dem Klimawandel ein Problem gibt, das sich nicht national lösen lässt, dann ist es dieser Bereich.“ Mit dem in Bonn verabschiedeten Initiates file downloadAcht-Punkte Plan für Cybersicherheit  konnte ein erster Schritt in die richtige Richtung unternommen werden, um neue Impulse für einen sicheren Cyberstandort Deutschland setzen.