Im Gedenken an John McCain

John McCain bei der 50. Münchner Sicherheitskonferenz (Photo: MSC / Müller)

Wolfgang Ischinger zum Tod von John McCain

Wenn wir auch wussten, dass dieser Tag kommen würde, sind das gesamte MSC-Team und ich nichtsdestotrotz untröstlich über die Nachricht von John McCains Tod. John war für so viele ein Vorbild und ein Mentor und setzte sich für so viele ehrenwerte Sachen ein. Wo andere nachgegeben hätten, blieb er standhaft. Und niemand anderes verteidigte die transatlantische Gemeinschaft an ihren besten Tagen noch rügte sie an ihren schlechtesten so energisch wie er. John wird der Geschichte als wahrer Held in Erinnerung bleiben und Europa als ein wahrer Verbündeter.

In John hat die Münchner Sicherheitskonferenz ihren größten Fürsprecher jenseits des Atlantiks verloren – einen Freund, der unsere Werte verkörperte und lebte wie kein Zweiter. Seine unerschütterliche Hingabe zur Sicherheitskonferenz war für uns von unschätzbarem Wert. Zum ersten Mal kam John vor genau vier Jahrzehnten nach München, damals als einfacher Verbindungsoffizier mit der amerikanischen Kongress-Delegation. Für die letzten 20 Jahre führte er die Delegation nach München an – und trug damit in keinem geringen Maße dazu bei, den transatlantischen Kern der Konferenz zu erhalten. Wenn seine nachlassende Gesundheit ihn nicht daran gehindert hätte, wäre er auch 2018 nach München gekommen, um – in seinen Worten – seine "teuren und geschätzten Freunde und würdigen Gegner" ein letztes Mal zu sehen.

Ich kann kaum beschreiben, wie viel es uns allen bedeutete, dass John dieses Jahr den Ewald-von-Kleist-Preis von uns annahm. Seine Dankesrede, die seine Ehefrau Cindy in seiner Abwesenheit vortrug, wird als einer der bewegendsten Momente in der langen Geschichte der Münchner Sicherheitskonferenz in Erinnerung bleiben: "Ich zähle auf euch alle, meine Freunde, die wertvollen, wunderbaren Dinge zu ehren, die noch immer unserer Obhut anvertraut sind. Ich zähle darauf, dass ihr mutig seid. Ich zähle darauf, dass ihr euch nützlich macht. Ich zähle darauf, dass ihr an dem Glauben daran festhaltet und niemals aufgebt, für all das zu kämpfen, was gut und gerecht und anständig ist in unserer Welt und in uns selbst." Wir werden Johns Worte in Ehren halten und uns zu Herzen nehmen in allem, was wir tun.