"Der arktische Gedanke der Kooperation" – Bericht vom Roundtable on Arctic Security in Stavanger

Die Arktis entwickelt sich zu einer immer wichtigeren geopolitischen Arena. Daher gibt es Grund genug, über die Herausforderungen der arktischen Sicherheit zu diskutieren. Am 27. August versammelte die Münchner Sicherheitskonferenz – gemeinsam mit ihren Partnern vom Finnish Institute of International Affairs und dem NATO Centre of Excellence for Operations in Confined and Shallow Waters – eine exklusive Gruppe herausragender Expertinnen und Experten und Stakeholder zu einer informellen Diskussion über aktuelle Entwicklungen bei der Verwaltung der Arktis, Vertrauensbildung und Geheimdienstzusammenarbeit in der Region.

Der Roundtable on Arctic Security in Stavanger (Photo: MSC / Kuhlmann).

In den letzten Jahren haben Großmächte – insbesondere Russland und China – ihre wirtschaftlichen Aktivitäten in der Arktis stetig ausgebaut. Dies bietet eine Chance für multilaterale Zusammenarbeit in der Region, birgt aber auch erhebliche Risiken. Beides stand im Mittelpunkt eingehender Diskussionen unter den Teilnehmern des Roundtables – darunter Vertreter von Regierungen, Militär, Geheimdiensten, Wirtschaft und Wissenschaft. Zu den Teilnehmern gehörten Espen Barth Eide, Mitglied des norwegischen Parlaments und ehemaliger Minister für Auswärtige Angelegenheiten und Verteidigung; Admiral Charles Ray, Vizekommandant der US-Küstenwache; Sergey Kislyak, Mitglied des Föderationsrates des russischen Parlaments und ehemaliger Botschafter in den Vereinigten Staaten; Marie-Anne Coninsx, EU-Botschafterin für Arktische Angelegenheiten; und Anti Pelttari, Direktor des finnischen Nachrichtendienstes.

Wenn sich die Welt verändert, verändert sich auch die Arktis

Die geostrategische Bedeutung der Arktis nimmt zu, da immer mehr Staaten ihren wirtschaftlichen Fußabdruck in der Region vergrößern. Darüber hinaus haben Länder, die ihre kommerzielle Präsenz in der Arktis verstärken, Anreize, sie auch mit militärischer Gewalt zu untermauern. Daher wird Zusammenarbeit immer wichtiger und liegt im Interesse aller Akteure, die in der Arktis involviert sind. Die Teilnehmer diskutierten, ob es einen "arktischen Exzeptionalismus" gibt – in dem Sinne, dass die Region als von anderen Entwicklungen in der internationalen Politik unabhängig behandelt werden könnte. Aber die globalisierte Arktis ist nicht isoliert von politischen Konflikten in anderen Regionen der Welt. Vielmehr dürften auch in der Arktis Spillover-Effekte durch Spannungen auf globaler Ebene zu spüren sein. Einige Teilnehmer betonten, dass manche arktische Risiken von politischen Spannungen zwischen arktischen Nationen in anderen Teilen der Welt und nicht von tatsächlichen Entwicklungen in der Arktis selbst herrühren.                  

Der "Arktische Gedanke" der Zusammenarbeit  

Die Frage, wie arktische Nationen – und mächtige Länder, die in der Arktis aktiv sind – auf diese Entwicklungen reagieren können, ohne eine Militarisierung der Region zu riskieren, nahm in den Debatten eine zentrale Stellung ein. In diesem Zusammenhang erörterte die Gruppe, ob die Zusammenarbeit zwischen den USA und Russland in Fragen der Arktis, beispielsweise bezüglich Schifffahrtsrouten, dazu beitragen könnte, das Vertrauen in die Beziehungen zwischen den USA und Russland wiederherzustellen. Die Teilnehmer waren sich der wachsenden Ambitionen Chinas als Arktismacht und insbesondere der möglichen Auswirkungen seiner Initiative "Polare Seidenstraße" auf die chinesisch-russischen Beziehungen bewusst. Um diese und andere Sicherheitsfragen in der Arktis richtig zu bewältigen, brauchen die beteiligten Akteure geeignete Orte um über diese Themen zusprechen, sobald sie aufkommen. Darüber hinaus müssen die bestehenden institutionellen Rahmen in der Lage sein, den wachsenden Bedarf an Unfällen und Missverständnissen zu bewältigen. Der historische "arktische Geist" des Kompromisses und der Zusammenarbeit stellt, wie mehrere Teilnehmer betonten, einen fruchtbaren Boden für einen konstruktiven Austausch in diesen Bereichen dar. 

Geheimdienstliche Zusammenarbeit in der Arktis 

Im Hinblick auf die Perspektiven für Vertrauensbildung in der Region stand die Rolle der Nachrichtendienste im Vordergrund. Die Teilnehmer diskutierten den aktuellen Stand der nachrichtendienstlichen Zusammenarbeit zwischen den in der Arktis aktiven Nationen. Einige Teilnehmer warnten vor Maßnahmen zur Einflussnahme auf die Arktis. Die vorherrschende Meinung in der Gruppe war, dass es unerlässlich sei, die Mechanismen des Informationsaustauschs zu stärken. Eine wichtige Frage war, wie ein effektiver Informationsaustausch über die Arktis zwischen westlichen Staaten und Ländern wie Russland oder China aussehen könnte. Es sei klar, dass die Akteure in der Region widerstandsfähigere Kommunikationswege benötigen, insbesondere wenn externe Spannungen auf die Arktis übergreifen könnten.  

Viele der in Stavanger diskutierten Entwicklungen werden in den kommenden Monaten und Jahren an Dynamik gewinnen. Die MSC plant daher, diese Themen wieder auf die Tagesordnung zu setzen, indem Expertinnen und Experten und Stakeholder zu weiteren Diskussionen zusammenkommen. Die nächste MSC-Veranstaltung in dieser regionalen Reihe wird ein Roundtable on Arctic Security während der Münchner Sicherheitskonferenz im Februar 2019 sein; außerdem laufen die Vorbereitungen für einen Arctic Security Summit, der Anfang Mai 2019 in der finnischen Stadt Rovaniemi stattfinden wird.

28. August 2018, von MSC

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