"Vielfalt als Stärke" – Bericht von NATO Engages: The Brussels Summit Dialogue

Während sich die Staatsoberhäupter nebenan berieten, veranstaltete die Münchner Sicherheitskonferenz in Kooperation mit der NATO, dem Atlantic Council, dem German Marshall Fund of the United States (GMF) und Women in International Security (WIIS) ein offizielles Outreach-Event zum diesjährigen NATO-Gipfel. Unter dem Titel "NATO Engages: The Brussels Summit Dialogue" versammelte sie aktuelle und zukünftige Führungspersönlichkeiten vor dem spektakulären Hintergrund des neuen NATO-Hauptsitzes, um die dringlichsten Herausforderungen der Allianz zu diskutieren. Neben den offiziellen Themen des NATO-Gipfels schloss dies auch eine Vielzahl weiterer transatlantischer und globaler Sicherheitsthemen ein.

Ein Blick aus dem Publikum bei NATO Engages: The Brussels Summit Dialogue (Photo: MSC / ACA)

Das Gipfeltreffen vollzog sich vor dem Hintergrund rauer Zeiten im transatlantischen Verhältnis – dass es also stürmisch zugehen würde, war abzusehen. So verwies NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg gleich in der Auftaktveranstaltung von "NATO Engages" darauf, man dürfe das Bündnis nicht als selbstverständlich ansehen: "Die Allianz ist nicht in Stein gemeißelt – es ist kein Naturgesetz, dass sie für immer halten wird." Damit verwies Stoltenberg auch auf die rauen Töne, die U.S.-Präsident Donald Trump schon vor dem Gipfeltreffen mit der Forderung angeschlagen hatte, die Bündnispartner müssten ihre Verteidigungsausgaben deutlich erhöhen. Das Thema dominierte nicht nur den NATO-Gipfel, sondern auch das Outreach-Event. Obgleich die Teilnehmer von "NATO Engages" die Forderung nach einer gleichmäßigeren Lastenverteilung innerhalb des Bündnisses durchaus für gerechtfertigt hielten, stieß Umfang und Ton der Forderungen Trumps auf deutliche Kritik.

Die Bedeutung von Zusammenhalt
Die Teilnehmer waren sich der Bedeutung transatlantischer Geschlossenheit schmerzhaft bewusst. In Zeiten, in denen die Gegner der NATO nichts unversucht lassen, die Bündnismitglieder zu spalten und die Allianz so zu schwächen, sei ein einheitliches Auftreten der NATO besonders wichtig. Den Zusammenhalt zu wahren, so betonten die Teilnehmer, verlange den NATO-Mitgliedern großen Einsatz und vor allem politischen Willen ab. Die dramatischen Entwicklungen auf dem offiziellen Gipfeltreffen nebenan, wo Regierungschefs und Staatsoberhäupter zu einem Krisentreffen zum Thema Verteidigungsausgaben zusammenkommen mussten, prägten auch die Diskussionen des Outreach-Events. Auf die Frage, ob sie sich um die Zukunft der NATO sorge, antwortete die deutsche Verteidigungsministerin von der Leyen dann auch: "Wir begreifen gerade erst, wie kostbar unser Bündnis ist. Es ist keine Selbstverständlichkeit. Wir müssen darum kämpfen." 

NATO-Mitgliedschaft bleibt attraktiv
"NATO Engages" verdeutlichte aber auch die anhaltende Attraktivität der NATO-Gründungsidee: dass Sicherheitsgarantien die Basis für wachsenden Wohlstand und Entwicklung liefern und Demokratie zu sichern helfen. Zoran Zaev, Präsident der Ehemaligen jugoslawischen Republik Mazedonien, trat bei "NATO Engages" auf, kurz nachdem die NATO sein Land zu Beitrittsgesprächen eingeladen hatte und lobte den Beitrag der NATO für internationale Stabilität und Sicherheit. Ähnlich enthusiastisch äußerten sich der georgische Präsident Giorgi Margwelaschwili und der ukrainische Präsident Petro Poroschenko, die die Solidaritätsbekundungen der NATO an die Adresse ihrer jeweiligen Länder begrüßten und ihr Bestreben unterstrichen, Teil der NATO zu werden.

Ein neues Sicherheitsumfeld
Die Teilnehmer diskutierten nicht nur die Herausforderungen, vor denen die NATO angesichts des russischen Verhaltens in Osteuropa und hinsichtlich instabiler Staaten in ihrem Süden steht. Sie widmeten sich außerdem den Sicherheitsrisiken, die neue technologische Entwicklungen bergen. Manche dieser Herausforderungen, betonten einige Teilnehmer, wären aber nicht gänzlich neu: So wurden Desinformationskampagnen auch schon während des Kalten Krieges geführt, hätten aber durch das Internet eine ganz neue Reichweite erlangt. Als Beispiel wurden häufig russische Versuche genannt, mittels sozialer Medien die westlichen Demokratien, vor allem über ihre Wahlsysteme, zu schwächen. In dem Zusammenhang verwiesen viele Teilnehmer auf die Notwendigkeit, das angespannte Verhältnis zwischen Russland und dem Westen zu verbessern, gestanden aber auch ein, dass Moskau derzeit nicht den Eindruck erwecke, einen ernsthaften Dialog zu suchen.

Die Stärke der Vielfalt
Ein Ziel von "NATO Engages" war auch, die breitere Öffentlichkeit und Stakeholder außerhalb der traditionellen sicherheitspolitischen Community einzubeziehen. In dieser Hinsicht wurde das Outreach-Event seinem Namen mehr als gerecht. Die Zuhörerschaft umfasste 491 Teilnehmer aus 57 Ländern; von ihnen waren 30 Prozent 35 Jahre oder jünger und 40 Prozent Frauen. Vielfalt – sei es der Geschlechter, des Alters oder der Nationalität – ist ein zentrales Thema für die NATO, denn, so betonte es der kanadische Premierminister Justin Trudeau, "Vielfalt ist eine Quelle der Stärke".

Weitere Informationen
Für das vollständige Programm und weitere Informationen zum Konsortium hinter "NATO Engages", besuchen Sie nato-engages.org. Sie können Videos aller Diskussionen bei "NATO Engages" hier nochmals ansehen. Eine Auswahl von Fotos von der Veranstaltung haben wir in unserer Mediathek für Sie zusammengestellt.

Wenn Sie mehr von uns über das Thema transatlantische Sicherheit und europäische Verteidigungskooperation wissen möchten, lesen Sie die Zusammenfassung unseres Roundtable on European Defence, der ebenfalls in Brüssel am Vortag des NATO-Gipfels stattfand, sowie unseren Bericht "More European, More Connected and More Capable: Building the European Armed Forces of the Future".

13. Juli 2018, von MSC

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