"Die Zukunft der Friedenssicherung in Afrika" – Bericht von der MSC Human Security Veranstaltung auf dem Tana-Forum 2019

Am 3. Mai veranstaltete die Münchner Sicherheitskonferenz (MSC) – in Zusammenarbeit mit dem Tana High-Level Forum on Security in Africa (Tana-Forum) und der Afrikanischen Union (AU) – einen Roundtable und eine Podiumsdiskussion am Rande des diesjährigen Tana-Forums in Bahir Dar, Äthiopien. Mehr als 40 hochrangige Vertreter von Regierungen, Forschungseinrichtungen und der Zivilgesellschaft kamen zusammen, um über die Zukunft von Friedensmissionen auf dem afrikanischen Kontinent zu diskutieren. Die Veranstaltung in Äthiopien war das erste von drei MSC-Treffen, die in diesem Jahr in Afrika stattfinden.

Teilnehmer bei dem MSC Human Security Roundtable am Rande des Tana Forum 2019

Die politische Dynamik am Horn von Afrika war das übergreifende Thema des Tana-Forums 2019 in Bahir Dar. Vor diesem Hintergrund betrachtete die MSC die Rolle der Friedensmissionen in Afrika insgesamt und die Mission der Afrikanischen Union in Somalia (AMISOM) im Besonderen. Die Sicherheitslage am Horn von Afrika und am Roten Meer ist mittlerweile eine der komplexesten der Welt: Lokale, regionale und globale Akteure mit unterschiedlichen Interessen sind in dieser Region aktiv, in der die Sicherheitsherausforderungen von zunehmender Militarisierung über transnationale Bedrohungen bis hin zu Fragen der menschlichen Sicherheit reichen. In diesem Zusammenhang haben friedenserhaltende Maßnahmen, wie im Rahmen von AMISOM, eine enorme Bedeutung für die regionale Stabilität, stehen aber vor wachsenden Herausforderungen. So müssen es die teilnehmenden Nationen beispielsweise schaffen, die Eigenverantwortung der betreffenden afrikanischen Staaten zu stärken und eine ausgewogene Lastenteilung zu gewährleisten.

Während der gesamten Veranstaltung betonten die Experten immer wieder, wie wichtig es sei, den Wandel von Friedensmissionen und ihrer Kontextbedingungen zu verstehen. Die Art der Konflikte, denen diese Missionen sich widmen, hat sich seit der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, als die ersten "klassischen" Friedenssicherungseinsätze durchgeführt wurden, dramatisch verändert. Heute sind eine Vielzahl von Akteuren und Interessengruppen an den Einsätzen beteiligt. Mit dem dramatischen Aufstieg transnationaler Akteure – zum Beispiel aus der organisierten Kriminalität oder terroristische Netzwerke – sehen sich UN-Friedensoperationen einem zusätzlichen Anpassungsdruck ausgesetzt. Die Diskussionsteilnehmer betonten, um UN-Friedenseinsätze nachhaltig zu verbessern, sei es von entscheidender Bedeutung, ihre Strategien mit denen lokaler und internationaler Akteure besser zu synchronisieren.

Die Teilnehmer des Roundtables betonten auch die Relevanz größerer afrikanischer Eigenverantwortung für friedenserhaltende Maßnahmen. Obwohl internationale Unterstützung unverzichtbar bleibe, müssten afrikanische Regierungen stärker in die Formulierung und Umsetzung afrikanischer Mandate einbezogen werden. Schließlich seien viele regionale Probleme selbstgeschaffen und das Ergebnis mangelhafter Regierungsführung.

Der Lakeside Chat am Ufer des Tanasees, welcher der Roundtable-Diskussion folgte, beleuchtete die Lehren aus früheren Friedensoperationen. Ein besonderer Fokus lag hierbei auf der Rolle von AMISOM für die Stabilität der Region. Äthiopien, Kenia und Dschibuti, so kam die Forderung auf, müssten als drei Nationen, die militärisch in Somalia engagiert und von der Instabilität des Landes besonders stark betroffen sind, eine gemeinsame und langfristige (Exit-)Strategie formulieren. Dies müsse unter Einbeziehung der Regierung in Mogadischu, der Hauptstadt Somalias, und der lokalen Eliten des Landes geschehen. Die Diskussionsteilnehmer gaben jedoch zu bedenken, dass der erste und wichtigste Schritt zur Stabilisierung des Horns von Afrika darin bestünde, dass Somalia seine inneren Konflikte löst und eine Gesamtvision für den inneren Frieden definiert.

Die Veranstaltung war Teil der Human Security Series.


Über die Human Security Series

Über die letzten Jahrzehnte hinweg sind Sicherheitsbedrohungen immer komplexer geworden. Entsprechend musste der traditionelle Begriff der nationalen und internationalen Sicherheit erweitert werden, um der Vielzahl von Bedrohungen für die menschliche Existenz Rechnung zu tragen. Einige der bedeutendsten Sicherheitskrisen der letzten Jahre haben die Sicherheitspolitik zusätzlich dafür sensibilisiert, dass menschliche Not – verursacht durch Klimawandel, Umweltzerstörung oder Menschenrechtsverletzungen – oft die Ursache für ernste, manchmal gar bewaffnete Konflikte ist.

Wirksame Antworten auf diese Herausforderungen müssen einem sektorenübergreifenden und interdisziplinären Ansatz folgen. Deshalb organisiert die Münchner Sicherheitskonferenz Veranstaltungen zu Themen wie Gesundheit, Migration und Umwelt und fördert damit Dialog und Zusammenarbeit zwischen der sicherheitspolitischen Community und den Entwicklungsbeauftragten und -experten, internationalen Organisationen und NGOs, der Forschung und der Privatwirtschaft. Aufbauend auf dem Erfolg ihrer Aktivitäten zum Thema Gesundheitssicherheit bündelt die MSC ihre Aktivitäten zu diesen Themen nun in der Human Security Series.

09. Mai 2019, von MSC

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