Helmut Schmidt: "MSC bleibt bedeutend"

Die Münchner Sicherheitskonferenz bleibt für Helmut Schmidt ein bedeutsamer Ort des internationalen Austauschs. Im MSC-Interview wünscht sich Schmidt von der Konferenz aber auch, sich mit den Folgen des globalen Wandels zu beschäftigen.

In einem Interview der 50. Münchner Sicherheitskonferenz (MSC) hat sich Deutschlands ehemaliger Bundeskanzler Helmut Schmidt zur Zukunft der Veranstaltung geäußert. Sie erfülle weiterhin die Funktion als wichtiges Forum für den Dialog zwischen politischen und militärischen Entscheidungsträgern auf der einen und „Außenseitern“ und „Quereinsteigern“ auf der anderen Seite. Dieser Austausch sei wichtig, um die bisweilen bestehenden engen fachlichen Perspektiven aufzubrechen und sich für neue Sichtweisen auf gemeinsame Herausforderungen zu öffnen. Alles in allem wünschte sich Schmidt von der Sicherheitskonferenz, sich zukünftig noch näher mit dem Wandel der globalen Sicherheitspolitik beschäftigen. 

 

Den USA prognostizierte Schmidt, dass sie in absehbarer Zeit das Interesse an ihrer globalen Vormachtstellung verlieren würden. Schmidt prognostizierte, dass sich die Mehrheitsverhältnisse der amerikanischen Gesellschaft bis 2050 zugunsten der aktuellen ethnischen Minderheiten verschieben werden. Afro-Amerikaner und Latinos würden staatliche Mittel lieber in Vorsorge- und Bildungsmaßnahmen investieren, sagte der 95 Jahre alte Sozialdemokrat. Das werde für sie wichtiger sein, so Schmidt, „als sich einzumischen in einen Streit um irgendwelche Inseln im Chinesischen Meer.“

 

Auf die Frage nach der Wahrscheinlichkeit eines „neuen Isolationismus“ angesprochen wies Schmidt darauf hin, dass er nicht neu sein werde, sondern die amerikanische Außenpolitik seit rund 200 Jahren von verschiedenen, konkurrierenden Leitideen geprägt sei. Isolationistische Tendenzen hätten dabei mit imperialistischen, weltverbessernden und internationalistischen koexistiert. Zu verschiedenen Zeiten hätten einzelne dieser Paradigmen die US-Außenpolitik maßgeblich angeleitet.

 

Weiter sagte Schmidt, dass sich die sicherheitspolitischen Herausforderungen seit dem Ende des Kalten Krieges grundlegend verändert hätten. Als Herausforderungen für die Zukunft prognostizierte er den demographischen Wandel, die Urbanisierung und die Armutsmigration. Insgesamt wirkten sich diese innenpolitischen Entwicklungen auf die äußere Sicherheit Europas als Einwanderungsziel aus. "Lampedusa war nur ein Vorspiel", warnte der 95 Jahre alte Altkanzler.

 

Das Video-Interview mit Helmut Schmidt finden Sie in voller Länge in der Mediathek.

31. Januar 2014, von Daniel Furth, Alexander Hamann and Christoph Schwarz

Zurück