Klimawandel verschärft Bedrohungen für Afrikas Sicherheit – MSC Roundtable on Human Security in Bahir Dar

Am 20. April veranstaltete die MSC am Rande des Tana High-Level Forum on African Security einen Roundtable zu "Human Security". Rund 50 hochrangige Vertreter von Regierungen, internationalen Organisationen und der Zivilgesellschaft nahmen teil, um die Debatte über die Auswirkungen des Klimawandels und andere ökologische Gefahren voranzutreiben. Die Veranstaltung wurde in Partnerschaft mit dem Tana Forum und der Afrikanischen Union organisiert.

Ein Blick auf den MSC Roundtable on Human Security in Bahir Dar, Äthiopien, am 20. April 2018 (Photo: MSC)

Da extreme Wetterereignisse wie Hitzewellen und Küstenüberschwemmungen in ganz Afrika häufiger auftreten, sind die Gesellschaften in der gesamten Region den Folgen des Klimawandels stärker ausgesetzt – umso mehr, da es den lokalen Regierungen an ausreichenden Kapazitäten und finanziellen Ressourcen mangelt, um diese zu mildern. Daher ist die Zusammenarbeit und Koordinierung der lokalen, regionalen und internationalen Bemühungen zur Bewältigung dieser Herausforderungen von entscheidender Bedeutung. Zu diesem Zweck hat die MSC am Rande des Tana High-Level Forum on Security in Africa seinen Roundtable on Human Security einberufen. Die Münchner Sicherheitskonferenz hat eine besondere Beziehung zum Tana Forum, an dessen Entstehung die MSC vor sieben Jahren mitwirkte. Als Ausdruck ihres Engagements für einen zukunftsweisenden Diskurs über Sicherheit in Afrika kehrt die MSC regelmäßig nach Bahir Dar in Äthiopien zurück, um die Diskussion globaler Herausforderungen aus afrikanischer Sicht zu fördern.

"Es gibt kein einziges afrikanisches Staatsoberhaupt, das Ihnen nicht sagen wird, dass es den Druck des Klimawandels spürt", sagte Weltbankpräsident Jim Yong Kim auf der Münchner Sicherheitskonferenz 2018. Der MSC Roundtable on Human Security, an der mehrere hochrangige Entscheidungsträger des afrikanischen Kontinents teilnahmen – darunter MSC-Beiratsmitglied Louise Mushikiwabo, die Außenministerin von Ruanda, der Premierminister von Äthiopien sowie ehemalige Präsidenten von Südafrika, Ghana und Nigeria – schloss sich dieser Meinung an. Die Afrikanische Union war unter anderem durch die Kommissarin für Politische Angelegenheiten Cessouma Samate Minata vertreten. Darüber hinaus nahmen zahlreiche internationale Experten, darunter Robert Malley, Präsident der International Crisis Group, und Laura Thompson, stellvertretende Generaldirektorin der Internationalen Organisation für Migration, an der Diskussion teil.

Unter den Teilnehmern bestand kein Zweifel, dass Afrika, insbesondere Subsahara-Afrika, durch Klimawandel und Umweltzerstörung besonders bedroht ist. So waren sich die Teilnehmer einig, dass Afrika die volle Eigenverantwortung für Maßnahmen zur Milderung und Anpassung an den Klimawandel übernehmen muss. Gleichzeitig betonten einige, dass die überproportionalen Auswirkungen des Klimawandels auf Afrika eine größere globale Ungleichheit widerspiegelten, und äußerten die Hoffnung, dass künftige Lösungen auch das Ausmaß widerspiegeln würden, in dem die Akteure zu Klimaauswirkungen beitragen oder darunter leiden. Die Teilnehmer konzentrierten sich auf den Tschadsee als Beispiel für diese Effekte, warnten aber auch davor, dass "Afrika viele Tschadseen hat", wie etwa das Nildelta mit seinen rund 40 Millionen Einwohnern, die ebenfalls mit Umweltproblemen konfrontiert wären.

Während Klimagefahren Konflikte direkt auslösen können, wurde der Klimawandel vor allem als Bedrohungsmultiplikator diskutiert: Durch die Verschärfung humanitärer Belastungen erhöht er die Wahrscheinlichkeit von Unruhen und Konflikten. Die Zerstörung der Lebensgrundlagen in der Landwirtschaft durch zunehmende Wüstenbildung und Überschwemmungen wurde als ein solcher Faktor genannt. Die Teilnehmer unterstrichen die Notwendigkeit, Landwirtschaft und Ernährungssicherheit zu fördern, indem sie die Maputo-Verpflichtung erfüllten, 10 Prozent der Staatsausgaben auf die Landwirtschaft zu konzentrieren – ein Ziel, das eine überwältigende Mehrheit der afrikanischen Staaten laut einem ONE-Bericht 2017 verfehlt.

Erhöhter Migrationsdruck wurde als wesentliche Folge unzureichender Wirtschafts- und Ernährungssicherheit erkannt. Einem neuen Bericht der Weltbank zufolge könnte die Zahl der Klimamigranten bis 2050 südlich der Sahara 70 Millionen übersteigen, wenn sie nicht wirksam gedrosselt wird. Die Teilnehmer hoben das Bevölkerungswachstum und die Verstädterung als Faktoren hervor, die angegangen werden müssten, um den Migrationsdruck und damit die Auswirkungen des Klimawandels auf Städte und ländliche Regionen zu mildern.

Aufgrund der vielfältigen sozioökonomischen und politischen Folgen von Klimagefahren wurde die Notwendigkeit konzertierter und umfassender Minderungs- und Anpassungsmaßnahmen, wie sie auch von der Afrikanischen Union in ihrer "Agenda 2063" formuliert wurde, beim Roundtable weitgehend anerkannt. Einige Teilnehmer schlugen vor, dass afrikanische Staaten einen völlig neuen Weg für Konsum und Wirtschaftswachstum einschlagen sollten, der auf Nachhaltigkeit und erneuerbaren Energien als Antwort auf den Klimawandel basiert. Andere Teilnehmer warnten jedoch davor, den Klimawandel nur durchs Prisma langfristiger Strategien zu sehen. In Fällen wie dem Tschadsee, wo die Umweltzerstörung bereits eingetreten ist, sei sofortige, greifbare Hilfe notwendig, um kurzfristig die Lebensgrundlagen zu sichern und Migration, Ernährungsunsicherheit und Ressourcenkonflikte zu verhindern.

Die potenziellen Auswirkungen auf Stabilität, Frieden und Entwicklung auf dem gesamten Kontinent und die weitreichenden Auswirkungen auf Europa und darüber hinaus sind enorm. Die MSC wird diese Frage daher auch in Zukunft regelmäßig wieder aufgreifen und die Zusammenarbeit mit afrikanischen Partnern intensivieren. Vorsitzender Wolfgang Ischinger nannte dabei MSC-Engagement in Afrika "eine strategische Priorität für das nächste Jahrzehnt!"

 

 

Human Security und die MSC

In den letzten Jahrzehnten sind Sicherheitsbedrohungen immer komplexer geworden. Dementsprechend muss der traditionelle sicherheitspolitische Diskurs erweitert werden, um die vielfältigen Bedrohungen für das menschliche Leben widerzuspiegeln. Die internationale Gemeinschaft erkennt zunehmend, wie diese vielfältigen Herausforderungen das Leben von Milliarden von Menschen betreffen und ganze Regionen destabilisieren können.

Tatsächlich haben einige der verheerendsten humanitären Krisen der letzten Jahre, beispielsweise ausgelöst von Pandemien, Hungersnöten, Überschwemmungen und Dürren, die Sicherheitsgemeinschaft weiter alarmiert. Individuelles Leid, verursacht durch den Klimawandel, Umweltverschmutzung oder Menschenrechtsverletzungen, ist oft die Ursache für schwere, manchmal sogar bewaffnete Konflikte. Angesichts dieses Trends muss sich die internationale Gemeinschaft deshalb auf weitere Krisen und Konflikte einstellen.

Wirksame Antworten auf diese Herausforderungen müssen auf einem multidisziplinären Ansatz beruhen. Deshalb organisiert die Münchner Sicherheitskonferenz Veranstaltungen und Konferenzen zu Themen wie Gesundheit, Migration und Umwelt und fördert damit die Diskussion und Zusammenarbeit zwischen der Sicherheits-Community und Entwicklungsexperten aus Nichtregierungsorganisationen, der Forschung, internationalen Organisationen und der Privatwirtschaft. Aufbauend auf dem Erfolg der MSC Health Security Series bündelt die MSC ihre Aktivitäten zu diesen Themen nun in der Human Security Series.



Über die Münchner Sicherheitskonferenz

Die Müncher Sicherheitskonferenz ist die weltweit führende Plattform für internationale Sicherheitspolitik. Mit über 500 offiziellen Teilnehmern und 300 Beobachtern im Hotel Bayerischer Hof bietet die Konferenz eine einzigartige Atmosphäre, um sich offen über künftige Herausforderungen und Lösungen internationaler Sicherheitspolitik auszutauschen. Zusätzlich zur jährlichen Konferenz richtet die Stiftung Münchner Sicherheitskonferenz eine Reihe an kleineren, hochkarätigen Veranstaltungen rund um die Welt aus. Hierzu gehören sowohl Core Group Meetings, die einen regionalen Schwerpunkt haben, als auch thematisch fokussierte Events wie die Cyber Security Series, die Health Security Series und die European Defence Series.

26. April 2018, von MSC

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