Lehren aus der Ebolakrise: MSC veranstaltet Health Security Roundtable im Rahmen des WHS in Berlin

Am 9. Oktober veranstaltete die Münchener Sicherheitskonferenz zusammen mit der M8 Alliance einen Health Security Roundtable am Rande des diesjährigen Weltgesundheitsgipfels im Auswärtigen Amt Berlin. Ziel der Veranstaltung war es, führende Vertreter von internationalen Organisationen, politische Entscheidungsträger sowie Wissenschaftler zusammenzubringen, um über aktuelle Herausforderungen im Bereich Gesundheitssicherheit zu diskutieren.

Die WHO-Regionaldirektorin für Afrika Moeti, der MSC-Vorsitzende Ischinger und der Gründungspräsident des Weltgesundheitsgipfels Ganten (v.l.n.r.; Photo: MSC/Kaller).

Die Diskussion rückte vor allem zwei große Themen in den Fokus: Zum einen die Schnittstelle von Gesundheit und Sicherheit, sowie zum anderen die konkreten Lehren, die aus den jüngsten Krisen im Bereich der Gesundheitssicherheit, insbesondere dem Ebolaausbruch in Westafrika, gezogen werden können.


Eingeleitet wurde der Roundtable durch Statements von Botschafter Wolfgang Ischinger, Vorsitzender der Münchener Sicherheitskonferenz, Detlef Ganten, Gründungspräsident des World Health Summit, Matshidiso Rebecca Moeti, Regionalleiterin für Afrika der World Health Organization, Victor J. Dzau, Präsident der National Academy of Medicine, Yves Daccord, Generaldirektor des Internationalen Komitees des Roten Kreuz sowie Florian Westphal, deutscher Leiter von Ärzte ohne Grenzen.


Zur Schnittstelle von Gesundheits- und Sicherheitspolitik war der allgemeine Konsens der Teilnehmer, dass es von höchster Wichtigkeit sei, das gegenwärtige Verständnis von Sicherheits- sowie Gesundheitsbelangen auszuweiten. Die Verbindung der beiden Felder sei besonders während der Ebolakrise deutlich geworden, als militärisches Eingreifen dazu beigetragen hatte, die Epidemie einzudämmen. "Wahrlich eine Tragödie war notwendig, um die Wichtigkeit für Gesundheitssicherheit zu erhöhen", betonte Matshidiso Rebecca Moeti, Regionalleiterin für Afrika der WHO. Ebola stelle in unserer globalisierten Welt eine erhebliche Bedrohung für die Sicherheit der gesamten Menschheit dar.

 

Auch wenn die sicherheitspolitische Debatte immer noch vorwiegend aus konventioneller Perspektive geführt wird, waren sich die eingeladenen Vertreter einig, dass Gesundheitskrisen in gleicher Weise eine große Bedrohung für die Menschheit darstellen können. Jedoch warnten die Teilnehmer davor, gesundheitspolitische Belange nicht lediglich auf ihre sicherheitspolitische Komponente herunterzustufen. Besonders Vertreter von NGOs betonten, dass sich eine gesundheitspolitische Debatte nicht nur auf Notlagen und Katastrophenfälle beschränken dürfe, sondern auch kontinuierlich auf die Verbesserung von Gesundheitssystemen im weiteren Sinne hinwirken müsse. 


Was die Gesundheitskrise im Zuge der Ebolaepidemie anbelangt, waren sich die eingeladenen Vertreter einig, dass internationalen Institutionen, wie die WHO, die Afrikanischen Union, oder die G20 die Sicherheitsbedrohung durch Pandemien heute wesentlich stärker in den Fokus nehmen würden. Die Initiative "Global Health Security Agenda", an der betroffene Länder, internationale Institutionen und andere Interessensgruppen beteiligt waren, wurde als konkreter Schritt in diese Richtung genannt. Die eingeladenen Experten verwiesen außerdem auf zahlreiche neuere Berichte zu dieser Thematik, wie z.B. das Global Health Risk Framwork. Diese zögen wichtige Erkenntnisse aus dem Ebolaausbruch für das internationale Gesundheitsregime.

 

Hervorgehoben wurden von den Teilnehmern dabei insbesondere fünf Kernpunkte. Erstens sahen die eingeladenen Vertreter eine generelle Notwendigkeit, die Widerstandsfähigkeit von nationalen Gesundheitssystemen zu stärken (z.B. durch Benchmarking und der Erstellung von nationalen Maßnahmenkatalogen). Die Identifizierung von Notlagen sowie Systeme zum Umgang mit unmittelbaren Sicherheitsgefahren durch Gesundheitsrisiken müssten ein entscheidender Teil eines solchen Krisenkonzepts sein. Zweitens, Gesundheitssicherheit sei besonders in Gebieten bedroht, in denen der Staat nicht in der Lage ist für die Sicherheit seiner Bevölkerung zu sorgen, beispielsweise in fragilen Staaten oder sogenannten "failed states". Dies müsse von Gesundheitsinitiativen berücksichtigt werden. Drittens wiesen die Teilnehmer auf solche Risiken hin, die besonders in Gebieten mit schwacher Regierungsführung oder in Ländern mit weniger internationalem "Gewicht" auftreten. Die Aufmerksamkeit der internationalen Staatengemeinschaft für Gesundheitsrisiken in diesen Regionen werde zunehmend geringer, da die Bedrohung für die entwickelte Welt nachgelassen habe. "Es besteht das Risiko, dass Gesundheitsbelange nur dann relevant sind, wenn auch ein Risiko für die mächtigen Nationen besteht (wie es bei Ebola der Fall war) – Inventionen müssen aber viel früher kommen," so der Leiter von Ärzte ohne Grenzen Deutschland, Florian Westphal. Viertens nannten die anwesenden Vertreter die zunehmenden Schwierigkeiten von humanitärem Engagement in Konfliktzonen. Wie die Teilnehmer argumentierten, sei dies vor allem auf unklare Standards für Interventionen zurückzuführen, sowie die Tatsache, dass Gesundheitsinfrastruktur in Konflikten zunehmend zur Zielscheibe werde, wie sich z.B. bei der Bombardierung von Krankenhäusern in Syrien zeige. Es bestand Konsens, dass dies einen neuen Grad von Sicherheitsbedrohung für Gesundheitssysteme darstelle. Fünftens und letztens bemerkten besonders die Vertreter aus Forschung und Entwicklungszusammenarbeit, dass die gegenwärtigen Mechanismen für die Entwicklung und Verbreitung von Medikamenten nicht ausreichen würden, um die richtige Behandlung für diejenigen sicherzustellen, die von den Krisen im Bereich der Gesundheitssicherheit am stärksten betroffen seien.

 

 

Der Roundtable ist Teil der MSC-Veranstaltungsreihe zu Health Security. Fotos des Events finden Sie in unserer Mediathek.

10. Oktober 2016, von MSC

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