Wachsender Druck auf Europa

General Petraeus fordert stärkeren europäischen Einsatz in Afghanistan

Dr. Henry Kissinger (li) und General David Petraeus (re). Foto: Kai Mörk

Kurz vor dem Ende der 45. Münchner Sicherheitskonferenz fiel doch noch der Satz, den viele Europäer nach dem Amtsantritt des neuen US-Präsidenten Barack Obama erwartet hatten: Europa müsse eine stärkere Beteiligung am NATO-Einsatz in Afghanistan gewährleisten. Dass die Formulierung im Beitrag von General David Petraeus auftauchte, kann die europäischen Skeptiker gegenüber einer Ausweitung des NATO-Einsatzes am Hindukusch kaum beruhigen. Der Viersterne-General, US-Oberbefehlshaber für den Mittleren Osten und Zentralasien, gilt als brillanter Stratege und hat sich bei der positiven Wende des amerikanischen Einsatzes im Irak höchstes Ansehen in Washington erworben.

Allerdings schränkte Petraeus ein, es gehe bei einem verstärkten Engagement in Afghanistan nicht nur um zusätzliche Kampftruppen. Notwendig sei auch mehr finanzielle Unterstützung und eine bessere Zusammenarbeit mit der afghanischen Regierung.

Der US-General ließ aber in München keinen Zweifel daran, dass die sich verschlechternde Sicherheitslage in Afghanistan „mehr Kräfte“ erforderlich mache. Dies gelte neben dem zivilen Engagement auch für militärische Ansätze. Petraeus, der sich mit seiner Forderung ausdrücklich auf US-Präsident Obama berief, appellierte an die NATO-Verbündeten, dass zusätzliche Truppen notwendig seien. Gefragt seien mehr Effizienz im Truppen-Einsatz, aber konkret auch verstärkte logistische Hilfe und Kampfhubschrauber. Es wäre „nachlässig, so der General, nicht „jedes einzelne Land“ aufzufordern, seinen Beitrag in Afghanistan nochmals zu überprüfen. Die USA hätten bereits – wie andere Truppensteller – mehr Streitkräfte für den Einsatz am Hindukusch eingeplant.

Der US-Sondergesandte für Afghanistan und Pakistan, Richard Holbrooke, verlangte für den NATO-Einsatz neue Ideen, eine bessere Koordination zwischen den USA und ihren Verbündeten und „viel Zeit“. Es sei weder mit einer schnellen Lösung der Krisensituation in Afghanistan und der Region zu rechnen noch gebe es „eine Zauberformel“ dafür. Nur ein regionaler Ansatz könne den Konflikt mit den Taliban entschärfen. Der frühere US-Botschafter in Deutschland warnte, in Afghanistan stünde die Zukunft der NATO auf dem Spiel. Deshalb würden die USA Afghanistan nicht im Stich lassen.

08. Februar 2009, von Ernst Hebeker

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