"Who Will Pick Up the Pieces?" – Kick-off der MSC 2019 in Berlin

"Wer wird die Scherben der zerfallenden Weltordnung aufsammeln?", so die Leitfrage des Munich Security Report 2019, den Botschafter Wolfgang Ischinger, Vorsitzender der Münchner Sicherheitskonferenz (MSC), beim diesjährigen MSC Kick-off am 11. Februar in der Bayerischen Landesvertretung in Berlin vor mehr als 300 Gästen vorstellte. Im Rahmen des Kick-off diskutierten Timothy Garton Ash, Professor für Europastudien in Oxford, und Sabine Weyand, stellvertretende Chefunterhändlerin der EU für den Brexit, die möglichen Auswirkungen eines Ausscheidens Großbritanniens aus der EU im Kontext einer zerfallenden Weltordnung.

Wolfgang Ischinger, Timothy Garton Ash und Sabine Weyand auf der MSC Kick-off Veranstaltung 2019. (Photo: MSC / Oellermann)

*Einige Foto-Eindrücke der Veranstaltung finden Sie hier.*

 

 

Als Impulsgeber für die 55. Münchner Sicherheitskonferenz gibt der Munich Security Report (MSR) 2019 unter der Überschrift "The Great Puzzle: Who Will Pick Up the Pieces?" einen Überblick über einige der aktuell wichtigsten sicherheitspolitischen Themen und bietet aufschlussreiche Analysen, Daten, Karten und Infografiken. Der MSR 2019 dient als Hintergrundlektüre für die Konferenzgäste in München, ist aber auch an die breite Öffentlichkeit gerichtet. Beim Kick-off in der Bayerischen Landesvertretung in Berlin stellte Tobias Bunde, leitender Autor des Reports, die Kernthemen des Munich Security Report 2019 vor. Dazu zählen unter anderem die wachsende Großmachtkonfrontation und die scheinbar zerfallende liberale Weltordnung. "Wir erleben einen Epochenbruch, bei dem eine Ära zu Ende geht und die Umrisse eines neuen weltpolitischen Zeitalters bisher erst in Ansätzen erkennbar sind," so Bunde. Die daran anknüpfende Frage, welche anderen Staaten "der zweiten Reihe" willens und in der Lage sind, sich für den Erhalt dieser Ordnung einzusetzen, wird im Munich Security Report 2019 ausführlich behandelt (Download des Berichts als PDF).

 

Timothy Garton Ash, Professor für Europastudien in Oxford, und Sabine Weyand, stellvertretende Chefunterhändlerin der EU für den Brexit, diskutierten im Anschluss an die MSR-Vorstellung vor allem ein Beispiel der zerfallenden Weltordnung: den Brexit und seine Auswirkungen für die EU und Großbritannien in dieser ohnehin angespannten Weltlage. Laut Garton Ash befinden wir uns in einer Zeit, in der die Nachfrage nach gemeinsamem globalem Vorgehen größer ist denn je – der Wille, dieses umzusetzen, jedoch rasant abnimmt. Daher sei die Aufstellung Europas entscheidend – es müsse "Weltpolitikfähigikeit" zeigen. Der Brexit dürfe nicht dazu führen, dass diese eingebüßt würde. Eine "Weltpolitikfähigkeitsverlustvermeidungsstrategie" für Europa müsse oberste Priorität haben, so Garton Ash. Sabine Weyand sprach aus Ihrer praktischen Erfahrung über die Brexit-Verhandlungen und stellte klar, dass eine strategische Partnerschaft zwischen der EU und Großbritannien im Interesse aller sei – vorausgesetzt es gäbe einen geordneten Brexit. Sie argumentierte, dass der Brexit sich nur wenig auf sicherheits- und verteidigungspolitische Aspekte auswirken würde.

 

Während der Veranstaltung gab es eine Live-Abstimmung zur MSR-Leitfrage: "Who will pick up the pieces?" In der darauf folgenden Podiumsdiskussion mit Fragen aus dem Publikum wurde das Ergebnis dieser Umfrage diskutiert: mit 39% der Gäste stimmten dafür, dass die EU und gleichgesinnte Staaten die "Bruchstücke der zerfallenden Weltordnung" aufsammeln würden.

 

Abschließend griff Botschafter Ischinger die Diskussion des Kick-offs auf und hob hervor, dass die Münchner Sicherheitskonferenz dieses Jahr ganz bewusst von der deutschen Verteidigungsministerin von der Leyen mit dem britischen Verteidigungsminister Williamson eröffnet werde, um damit die Debatte um die zukünftige Rolle Großbritanniens in der europäischen Außen- und Sicherheitspolitik anzustoßen. "Denn ohne Europa ist alles nichts," so Ischinger.

 

 

 

Weitere Informationen zum alljährlichen Kick-off Event der MSC erhalten Sie hier.

11. Februar 2019, von MSC

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