Amerikanisch-Iranisches Tauwetter - Ischinger fordert die "Methode Egon Bahr"

In einem heutigen Interview mit dem Bayerischen Rundfunk (Bayern 2 Radiowelt) begrüßte der Vorsitzende der Münchner Sicherheitskonferenz, Botschafter Wolfgang Ischinger, die neue Tonlage in der Diskussion um die iranischen Nuklearambitionen.

In einem heutigen Interview mit dem Bayerischen Rundfunk (Bayern 2 Radiowelt) begrüßte der Vorsitzende der Münchner Sicherheitskonferenz, Botschafter Wolfgang Ischinger, die neue Tonlage in der Diskussion um die iranischen Nuklearambitionen und insbesondere die konstruktive Rede des iranischen Präsidenten Hassan Rohani vor der Generalversammlung der Vereinten Nationen in New York. Allerdings, so Ischinger, müssten den Worten jetzt auch Taten folgen, damit die seit langem bestehenden Forderungen der internationalen Atomenergiebehörde (IAEO) und dem UN-Sicherheitsrat von Teheran erfüllt werden.

 

Ischinger riet dazu, die bevorstehenden amerikanisch-iranischen Direktgespräche nach der Methode des Entspannungspolitikers Egon Bahr der damaligen Regierung von Bundeskanzler Willy Brandt (zur damaligen Zeit Staatssekretär im Bundeskanzleramt) zu führen. Mit Blick auf das seit über drei Jahrzehnten schwierige Verhältnis zwischen dem Iran und den Vereinigten Staaten, sei es leichter, den Anfeindungen von Hardlinern auf beiden Seiten zu entgehen, wenn die Sondierungen und Gespräche zuerst in einem informellen Rahmen im Sinne eines back-channels geführt werden.

 

So habe Egon Bahr Anfang der 1970er Jahre im Rahmen der Ostverträge eine Vereinbarung zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der damaligen Sowjetunion erreichen können, und so habe auch der ehemalige US-Außenminister Henry Kissinger in seiner damaligen Funktion als Nationaler Sicherheitsberater im Zuge der Ping-Pong Diplomatie die amerikanische Verständigung mit der Volksrepublik China erreicht.

 

Ischinger wies mit Blick auf das sich entwickelnde Tauwetter zwischen Washington und Teheran auf die großen Sorgen hin, die sowohl in Israel wie auch in Saudi Arabien und den Golfstaaten bestehen. Israel fürchtet die iranische Nuklearfähigkeit mit guten Gründen mehr als alle anderen Staaten in der Region. Am Golf bestehe darüber hinaus die Sorge, dass eine amerikanisch-iranische Verständigung die regionale Macht Irans anwachsen lassen könnte und dies zu Lasten der Sunnitischen Staaten in der Region gehe. Deshalb sei es laut Ischinger wichtig, den Interessen sowohl Israels auch den Golfstaaten bei den bevorstehenden Verhandlungen zwischen Washington und Teheran im Blick behalten.

 

Hier können Sie das Interview in voller Länge nachträglich verfolgen.

25. September 2013, von MSC

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