"Spannungen reduzieren, Risiken bewältigen, Vertrauen stärken" – Bericht vom "Roundtable on Arctic Security" in Helsinki

Mit der zunehmenden Präsenz von Großmächten in der Arktis ist es dringend geboten, Risiken und Chancen regionaler Kooperation neu zu erörtern. Am 7. Mai veranstaltete die Münchner Sicherheitskonferenz (MSC) – in Kooperation mit dem Finnish Institute of International Affairs (FIIA) und mit Unterstützung der finnischen Regierung – deshalb einen "Roundtable on Arctic Security" im finnischen Helsinki. Die Veranstaltung versammelte eine ausgewählte Gruppe von rund 40 zentralen Entscheidungsträgern und Experten, um den aktuellen Zustand arktischer Kooperation, alternative Governance-Modelle und nachrichtendienstliche Aktivitäten in der Region zu diskutieren.

Ein Blick hinter die Kulissen des MSC Arctic Security Roundtables in Helsinki (Photo: MSC / Kuhlmann)

Mit den tiefgreifenden Veränderungen, die sich in der Arktis vollziehen, wächst auch die geopolitische Bedeutung der Region. Erfahrungen im Umgang mit den Risiken und Chancen zunehmender Großmacht-Präsenz wurden bislang aber viel zu selten zwischen der Arktis und anderen (maritimen) Regionen ausgetauscht. Mit einem "Roundtable on Arctic Security" in Helsinki, Finnland, der parallel zur Ministerkonferenz des Arktischen Rates in Rovaniemi stattfand, wollte die MSC hier einen Wendepunkt einleiten: Der Roundtable versammelte eine kleine Gruppe etwa 40 hochrangiger Vertreter von Regierungen, Militärs, Geheimdiensten, Unternehmen und Forschungseinrichtungen. Diese diskutierten zum einen, welche Kooperationsmodelle, die sich jenseits der Arktis bewährt haben, helfen könnten, mögliche Spannungen in der Arktis abzubauen. Zum anderen erörterten die Teilnehmer Musterbeispiele erfolgreicher Zusammenarbeit aus der Arktis, die als Vorbild für Kooperation anderswo dienen könnten. Zu den Teilnehmern zählten Sauli Niinistö, Präsident von Finnland, Timo Soini, Außenminister von Finnland, Clive Johnstone, Kommandeur des Allied Maritime Command der NATO, Sergey Kislyak, Mitglied des Föderationsrats des russischen Parlaments und früherer Botschafter in den USA, sowie ausgewählte Vertreter internationaler Nachrichtendienste.


Die Teilnehmer betonten die Vorbildfunktion arktischer Kooperation für andere (maritime) Regionen. Der konstruktive Dialog, den arktische Staaten pflegen, bezeichneten sie als willkommenen Kontrast zu den wachsenden Spannungen vor allem zwischen den Großmächten. Trotz Konfrontationen an vielen anderen Fronten kooperieren arktische Staaten, darunter auch die USA und Russland, eng in einer ganzen Reihe von Themenfeldern, darunter Sicherheit auf See, Umweltschutz und Meteorologie. Damit beweisen diese Staaten, dass kleine kooperative Schritte möglich sind – und das Vertrauen, das daraus erwächst, vielleicht sogar helfen kann, die wachsenden Spannungen zwischen den Großmächten abzubauen.


Obgleich Dialog in der Arktis – vor allem im Rahmen des Arktischen Rates – den Teilnehmern als Musterbeispiel multilateraler Kooperation galt, äußerten manche Teilnehmer Bedenken, dass Sicherheitsfragen in den Diskussionen des Arktischen Rats bisher ausgespart werden. Mit der Zunahme von Großmachtrivalitäten auch in der Arktis bedürfe es dringlich eines Forums, in dem Spannungen und Missverständnisse diskutiert und frühzeitig abgebaut werden können. In diesem Zusammenhang bekräftigte Präsident Niinistö sein Angebot, die Arktisanrainer zu einem Gipfeltreffen zu empfangen, um den Dialog auf Ebene der Staats- und Regierungschefs fortzusetzen. Denn, so argumentierte Niinistö, "Sicherheitsthemen werden dadurch nicht gelöst, dass man sie einfach ausspart".


Die Teilnehmer betonten zudem die Notwendigkeit, sich auch in der Arktis stärker für die Freiheit der Schifffahrt einzusetzen. Sie diskutierten, wie dabei auch die souveränen Rechte der Arktisanrainer ausreichend berücksichtig werden können – und ob es in dieser Hinsicht Erfolgsbeispiele aus anderen Weltregionen gibt, an denen sich die Arktis orientieren kann.


Die Freiheit der Schifffahrt war aber noch aus einem anderen Grund Gegenstand der Debatte: Unter einigen Teilnehmern weckte Russlands wachsende Militärpräsenz in der Region Bedenken: Eines Tages, so die Befürchtung, könnte Moskau seine militärische Infrastruktur nutzen, um anderen Staaten den Zugang zur Arktis zu verwehren. Um ein solches Szenario zu vermeiden, müsse die NATO die Entwicklungen in der Arktis genauestens verfolgen und sicherstellen, dass seine Regionalstrategie die geopolitischen Veränderungen ausreichend berücksichtigt. Dafür wäre es zudem nötig, die Entwicklungen in verschiedenen maritimen Regionen stärker in einen strategischen Gesamtzusammenhang zu stellen.


Die Diskussion bestätigte damit, was Präsident Niinistö gleich eingangs betonte: Die Entwicklungen in der Arktis verdienen höchste Aufmerksamkeit, denn: "Was in der Arktis passiert, hat unmittelbare Auswirkungen auch auf den Rest der Welt".

 

Diese Veranstaltung war Teil der MSC Arctic Security Series. Erfahren Sie mehr hier.

10. Mai 2019, von MSC

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